Mehr bauen führt nicht zu tieferen Mieten

SP Kantonsrat Roger Schmutz in der Rubrik Ämtler Kantonsräte meinen im Affolter Anzeiger vom 9. Juni 2026

Roger Schmutz
SP Kantonsrat Roger Schmutz

Nur weil eine Aussage immer und immer wiederholt wird, wird sie dadurch nicht wahr. Bürgerliche Politikerinnen und Politiker repetieren gebetsmühlenartig, dass mehr gebaut werden müsse, damit die Mieten sinken. Doch das stimmt so nicht. In solchen Aussagen spiegelt sich reine Ideologie wider, frei von Fakten. Mehr Bauen führt nicht zu tieferen Mieten.

Wenn man sich ansieht, was heute vielerorts geschieht, wird klar, wieso dem so ist. Oft werden nämlich ganze Siedlungen abgerissen, um an deren Stelle neue, grössere und vor allem teurere Wohnungen zu bauen. Die bisherigen Mieterinnen und Mieter werden durch Leerkündigung auf die Strasse gestellt und die Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen in der Region wird noch grösser.

Zahlreiche Studien zeigen, dass die Bestandsmieten – also die Mieten, die Leute bezahlen, die über viele Jahre in derselben Wohnung wohnen – in den letzten Jahrzehnten nur wenig gestiegen sind. Kommt es aber zu einem Mieterwechsel, schrauben die Vermieter die Preise in die Höhe – oft über das erlaubte Mass hinaus. Zwar könnten die neuen Mietenden den Anfangsmietzins anfechten, doch wird das kaum gemacht. Das ist auch verständlich. Wer will sich schon, nach langer und aufreibender Wohnungssuche, gleich mit dem neuen Vermieter anlegen und einen juristischen Streit austragen.

Auch bei Sanierungen ist es für renditegetriebene Vermieter verlockend, mit Leerkündigungen sämtliche Mietverhältnisse gleichzeitig aufzulösen, um für alle Wohnungen den Preis auf einen Schlag erhöhen zu können. Dabei werden ganze Hausgemeinschaften auseinandergerissen, weil die Betroffenen keine neuen bezahlbaren Wohnungen in unmittelbarer Nachbarschaft finden.

Am Wochenende vom 14. Juni haben wir gleich dreifach die Möglichkeit, die Weichen der Wohnpolitik in die richtige Richtung zu stellen. Die Wohnschutz-Initiative verlangt, dass Gemeinden mit angespanntem Wohnungsmarkt die Mietpreise nach Ersatzneubauten, Umbauten und Renovierungen befristet begrenzen können. Und mit der Wohnungsinitiative soll der Kanton eine aktivere Rolle übernehmen, indem er eine kantonale, öffentlich-rechtliche Anstalt gründet, die günstigen Wohnraum erstellt, unterhält und vermietet. Ein Ja zu diesen beiden Initiativen wäre ein echter Fortschritt.

Abgelehnt gehört jedoch die Wohneigentums-Initiative, welche die Gemeinden und gemeinnützige Wohnbauträger zwingen will, bei öffentlich geförderten Wohnbau-Projekten die Hälfte der Wohnungen zu verkaufen. Als Folge würden Familien und alteingesessene Rentnerpaare ihr Zuhause verlieren und verdrängt. Die Initiative ist auch unlogisch, weil Genossenschaftswohnungen bereits «selbstgenutztes Eigentum» sind, denn die Mietenden erwerben über die Anteilsscheine Miteigentum.

Roger Schmutz, SP, Wettswil

 

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