Polit-Stamm: Integration ist eine Gemeinschaftsaufgabe

Der Polit-Stamm vom 14. Januar zum Thema «Integration durch Arbeit» stiess auf überraschend grosses Interesse und war inhaltlich äusserst aufschlussreich. Neben Regula Ochsner von der Job-Werkstatt, Martina Heuss, langjähriger Leiterin des MNA-Zentrums Lilienberg, und Stadtrat Felix Fürer nahmen auch zwei Kantonsräte an der Diskussion teil. Einigkeit herrschte darüber, dass Deutschkenntnisse und der Zugang zur Arbeit zentrale Voraussetzungen für eine gelingende Integration sind. Arbeit bedeutet nicht nur Einkommen, sondern auch Teilhabe, Struktur im Alltag und Stärkung des Selbstwertgefühls. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Ausgangslagen sehr unterschiedlich sind: Einige Jugendliche verfügen über kaum oder gar keine Schulbildung und können weder lesen noch schreiben.

Integration umfasst jedoch mehr als Arbeit allein. Sie bedeutet auch, mit dem Alltag in der Schweiz, mit unseren gesellschaftlichen Regeln und kulturellen Gepflogenheiten vertraut zu werden. Dieser Prozess ist anspruchsvoll – nicht zuletzt deshalb, weil viele Geflüchtete traumatische Erfahrungen gemacht haben. Einsamkeit ist weitverbreitet, ebenso der Druck, noch Schulden bei Schleppern abzuzahlen oder Angehörige im Herkunftsland finanziell zu unterstützen.

In der Diskussion wurde auch auf falsche Erwartungen hingewiesen, die im Ausland verbreitet werden. Schleppernetzwerke vermitteln über soziale Medien ein unrealistisches Bild der Schweiz als Land, in dem Wohlstand angeblich mühelos erreichbar sei. Die Realität sieht anders aus – nicht zuletzt angesichts der langen und gefährlichen Fluchtrouten über Länder wie Afghanistan, Iran, Türkei, Griechenland, Italien und Frankreich.

Die Gründe für Flucht sind vielfältig: Gewalt und Unsicherheit, wirtschaftliche Perspektivlosigkeit sowie fehlende Rechte und Freiheiten. Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen nach der Ankunft, etwa die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, die den Einstieg in den Arbeitsmarkt zusätzlich erschwert.

Der Bund weist dem Kanton Zürich knapp einen Fünftel aller Asylsuchenden in der Schweiz zu. Seit dem 1. Januar 2026 gilt im Kanton Zürich eine Aufnahmequote von 1,5 Prozent der Bevölkerung. Für Affoltern bedeutet dies rund 200 Personen aus dem Asylbereich. Die Asylfürsorge umfasst dabei nicht nur Unterbringung und Betreuung, sondern auch die gezielte Förderung der beruflichen Integration. Künftig soll der Fokus noch stärker auf der Integration von Personen mit Bleibeperspektive liegen.

Die Diskussion am Polit-Stamm zeigte deutlich: Das Thema Integration durch Arbeit wird die Gemeinden – und unsere Gesellschaft insgesamt – auch in Zukunft intensiv beschäftigen.

Stefan Kessler, Grüne Bezirk Affoltern

Affolter Anzeiger vom 27. Januar 2025

 

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