Begrenzung heisst Ausgrenzung – zur SVP-Initiative

So will es die SVP-Initiative: Bei einer Bevölkerung von 9,5 Millionen sollen Massnahmen im Bereich Asyl ergriffen werden, zum Beispiel beim Familiennachzug. Die erste der Massnahmen gleich auf die Schwächsten: Kinder oder allenfalls alte Eltern, die nachgezogen werden, sollen zurück, allein gelassen werden. Eine solche Schweiz wäre nicht liebenswert.

Die Ironie: Mit den vorgeschlagenen Schritten im Asylbereich würde Schengen-Dublin gefährdet. Die Schweiz würde für Flüchtende zur Alternative zum restlichen europäischen Raum, eine zweite Option also, um Asyl zu suchen. Deutlich mehr und nicht weniger Geflüchtete wäre das Ergebnis.

Ob 9.5 oder 10 Millionen: Als Einwohnende gelten in der Initiative Menschen, die mehr als ein Jahr hier wohnen. Oder anders gesagt: Kurzaufenthalter unter einem Jahr, natürlich ohne Angehörige, wären willkommen, wenn wir sie gerade brauchen würden, sollten aber verschwinden, wenn im Winter nicht gebaut oder im Sommer keine Skirestaurants betrieben werden. Zurück zum alten Saisonnierstatus also. Auch hier zulasten der Schwächsten, der Kinder etwa, die versteckt in einer Wohnung oder bei den Grosseltern im Ausland wohnen.

Eine solche Schweiz möchte ich nicht. Jene Ausländerinnen und Ausländer jedoch, die besonders viele Ressourcen verbrauchen und weit über alle Massen Land und Infrastruktur beanspruchen, sind in der Nachhaltigkeitsinitiative natürlich nicht erwähnt: Reiche und Superreiche, Steuerflüchtlinge, jene, die mit unserer Tiefsteuerpolitik oder gar den skandalös tiefen Pauschalsteuern in die Schweiz gelockt werden.

Die Initiative ist nicht nur lieblos, sie ist auch zynisch. Weil ich die Schweiz liebe, so wie sie ist, lege ich ein klares Nein zur SVP-Initiative in die Urne.

Franz Schüle, Hausen

Affolter Anzeiger vom 22. Mai 2026

 

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