Die Gegner der Volksinitiative «Mehr bezahlbare Wohnungen im Kanton Zürich» warnen vor einer Verstaatlichung des Immobilienmarktes und einem massiven Eingriff ins Privateigentum. Glaubt man den Schlagworten, steht uns bei Annahme der Initiative schon bald eine Enteignung von Haus und Hof bevor. Angst schüren ist ein bewährtes Mittel, um Verunsicherung zu verbreiten.
Was haben wir denn zu erwarten? Die Gemeinden erhalten ein Vorkaufsrecht von Grundstücken in Bauzonen, die für Wohnnutzung zulässig sind. Es steht der Gemeinde frei, von diesem Recht Gebrauch zu machen. Zur Diskussion steht nicht das Einfamilienhaus der Rentnerin, sondern vor allem grössere Grundstücke mit der Möglichkeit einer Arealüberbauung. Wird das Vorkaufsrecht beansprucht, zahlt die öffentliche Hand den gleichen Preis, der beim Verkauf an Dritte erzielt werden könnte. Die Verkäuferschaft verliert keinen Franken. Nicht betroffen sind Eigentumsübertragungen zwischen Familienangehörigen oder wegen Eigenbedarf.
Heute sind den Gemeinden die Hände gebunden, wenn grosse Grundstücke an Immobilienfirmen verkauft werden, die ausschliesslich auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sind. Die Initiative gibt den Gemeinden ein Steuerungsinstrument im Wohnungsmarkt in die Hand. Die kommunalen Behörden können vorausschauend handeln und dazu beitragen, dass Familien, Rentnerinnen und Rentner nicht verdrängt und bezahlbare Wohnungen realisiert werden.
Das ist keine Verstaatlichung, sondern eine Förderung des Gemeinwohls und eine Politik für Alle statt für Wenige.
Georges Köpfli, SP Bezirk Affoltern
Leserbrief im Affolter Anzeiger vom 11. November 2025