Der Ausbau der Solarenergie ist ein zentraler Pfeiler der Energiewende. Gleichzeitig stehen historische Gebäude unter besonderem Schutz: Sie prägen das Ortsbild, erzählen Geschichte und sind Teil unseres kulturellen Erbes. Wo Solaranlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden geplant werden, treffen deshalb zwei gewichtige öffentliche Interessen aufeinander – Klimaschutz und Denkmalschutz.
Erst kürzlich stemmte sich die kantonale Denkmalpflege gegen ein Solardach auf der reformierten Kirche in Obfelden, während die Zürcher Baudirektion bereit war, die Anlage zu bewilligen. Der «Anzeiger» berichtete darüber.
Tatsächlich zeigt die Praxis: Das Spannungsfeld ist gross. Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger müssen die ästhetische und historische Substanz und Wirkung bewahren und möglichst unversehrt überliefern, während Bauherren auf erneuerbare Energie setzen wollen. Sichtbarkeit, Materialwirkung und Eingriffe in die Bausubstanz sind dabei entscheidende Faktoren. Oft wird eine Bewilligung dann kritisch, wenn Module das Erscheinungsbild eines Ensembles oder einer charakteristischen Dachlandschaft stark verändern würden.
Gleichzeitig entwickeln sich Technik und Gestaltung rasant weiter. Indach-Anlagen, farblich angepasste Module oder gar Solarziegel erlauben heute deutlich unauffälligere Lösungen. An weniger sensiblen Stellen – etwa auf Nebengebäuden oder rückseitigen Dachflächen – lassen sich Solaranlagen häufig problemlos integrieren. In vielen Gemeinden entstehen bereits vorbildliche Projekte, die Klimaschutz und Denkmalschutz erfolgreich verbinden.
Für Eigentümer wie Behörden gilt: Der Schlüssel liegt in der frühzeitigen Zusammenarbeit. Wenn Denkmalpflege, Energieberatung und Bauherrschaft gemeinsam nach Lösungen suchen, lassen sich Konflikte oft entschärfen. Politisch bleibt jedoch die Frage bestehen, wie streng der Schutz historischer Bauten künftig gewichtet werden soll – insbesondere in Zeiten zunehmender Solaroffensiven.
Das Fazit: Der Weg zur klimaneutralen Energieversorgung muss auch historische Bausubstanz respektieren. Mit guten Lösungen und neuen Technologien ist beides möglich – aber es braucht Dialog, Sorgfalt und manchmal auch Augenmass.
Am nächsten Polit-Stamm diskutieren wir das aktuelle Spannungsfeld zwischen Solaranlagen und Baudenkmälern. Dabei sind die Kantonsräte Roger Schmutz (SP), Thomas Schweizer (GP) sowie Hansjörg Schneebeli, Kirchenpfleger und Liegenschaften-Vorstand von Obfelden.
Kommen Sie einfach vorbei – zuhören, Fragen stellen und mitdiskutieren ist ausdrücklich erwünscht.
Polit-Stamm der GP und SP
Mittwoch, 10. Dezember 2025, 19.30 h
Neuer Ort: Hotel Prize by Radisson Obstgartenstrasse 7, 8910 Affoltern am Albis
Stefan Kessler, Grüne Bezirk Affoltern
Affolter Anzeiger vom 5. Dezember 2025