SP Kantonsrat Roger Schmutz in der Rubrik Ämtler Kantonsräte meinen im Affolter Anzeiger vom 23. Dezember

Das Medium ist die Botschaft. Diese Aussage stammt vom kanadischen Philosophen und Kommunikationstheoretiker Marshall McLuhan. Gemeint ist damit, dass die Art und Weise, wie eine Nachricht transportiert wird, selbst eine Bedeutung hat. Und diese hat ihrerseits einen eigenen Einfluss aufs menschliche Leben.
Es lässt sich argumentieren, dass in Zeiten vor der Erfindung des Buchdrucks die Regime langlebiger waren, da es lange dauerte, bis Gesetze auf Steintafeln in die Peripherie eines Reiches transportiert werden konnten. Mit dem Buchdruck ging das schneller und auch revolutionäre Ideen verbreiteten sich schneller. Kino, Radio, Fernsehen und zuletzt Internet und Social Media haben ebenfalls grosse gesellschaftliche Veränderungen ausgelöst.
Die Entwicklungen der (Massen-) Medien sind untrennbar mit der Geschichte moderner Demokratien verknüpft. Eine funktionierende Medienlandschaft ist sogar eine Voraussetzung für eine freiheitliche Demokratie. Denn nur so ist gewährleistet, dass sich die Bürgerinnen und Bürger eine fundierte Meinung bilden und selbstbestimmt wählen und abstimmen können.
Am 8. März steht mit der Halbierungsinitiative die Zukunft der SRG auf dem Spiel. Es geht nicht darum, die Gebühren ein bisschen zu senken. Mit dieser einschneidenden Kürzung der Einnahmen droht die SRG als Ganzes unterzugehen. Und auch hier gibt es einen interessanten Zusammenhang: Dass wir uns bisher gemeinsam, über alle Sprachregionen hinweg, ein verbindendes Medienhaus leisteten, zeugt mehr von der so oft kolportierten «Willensnation» als die Siegel unter dem Bundesbrief. Mit einer Annahme der Halbierungsinitiative würde der Zusammenhalt der Nation geschwächt.
Denn die SRG könnte dann ihr qualitativ hochstehendes Angebot von Informations-, Kultur-, Sport- und Unterhaltungsinhalten auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch nicht mehr aufrechterhalten. Und private Medienunternehmen können diese Lücke aus finanziellen und infrastrukturellen Gründen nicht schliessen, da der Markt zu klein und fragmentiert ist.
Im digitalen Zeitalter nehmen die Bedrohungen durch Fehl- und Desinformation immer stärker zu. Vor allem die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz macht es einfacher denn je, Inhalte zu fälschen und die politische Meinungsbildung zu beeinflussen. Fehlinformationen und Desinformationen gelten global als grösste gesellschaftliche Risiken.
Die SRG ist unsere Speerspitze im Kampf gegen Fake News. Sie steht für geprüfte Fakten und ein Netz an Korrespondentinnen und Korrespondenten, die Informationen vor Ort überprüfen. Gerade als Demokratie brauchen wir auch in Zukunft eine starke, glaubwürdige Berichterstattung.
Während kommerzielle Anbieter oft unter dem Druck stehen, durch emotionalisierte oder polarisierende Inhalte möglichst viele Klicks und Reichweite zu generieren, kann die SRG auf Vielfalt und Qualität setzen. Die Angebote der SRG geniessen in allen Sprachregionen ein grosses Vertrauen. Umso wichtiger ist es, diese Institution zu erhalten.
Roger Schmutz, SP, Wettswil